Stadtansichten

Ich (und schon der Gebrauch dieses dezidierten Personalpronomens der ersten Person Singular jagt mir zweifelnde Schauer durchs suchende Hirn - wer bin ich, dass ich ich sagen soll?, aber wovon sonst ist auszugehen?) habe ein Stadtherz. So viel sei verraten, so viel der Selbstbeschreibung soll sein. Denn definieren soll sich wer will, ich will es nicht, ich kann es nicht, es ist mir zuwider. Aber dass ich ein Stadtherz habe, steht fest. Ich weiss nicht genau, was das heisst, es ist auch nicht wichtig, inwiefern es stimmt, aber es ist zutreffend.

 

Und ich werde mich nun also ein bisschen mehr als auch schon in der Stadt bewegen, ich werde herumstreunern (flanieren kann ich dem wohl nicht sagen, denn dafür scheine ich mir zu getrieben, zu wenig gelassen, zu sprunghaft auch, wie auch immer), ich werde ziellos irgendwelche Ziele ansteuern, werde wieder weglaufen, mich irgendwo hinschleichen, mich beeindrucken lassen, Sachen sehen, auf Gedanken kommen, an willkürlichen Ecken stehen bleiben, mich an von mir nicht begründbaren Orten aufhalten oder an wünschbaren nicht aufhalten, herumstreifen, -strolchen, hin und her spazieren, gehen. 

 

Und, nun ja, sonst wäre es ja nicht lustig, werde drüber schreiben. Weil, ich kann nur denken, wenn ich schreibe, und das heisst auch, dass ich nur beim Schreiben sehen kann. Ich muss also, um etwas zu sehen, auch schreiben. So ist das nun mal. Natürlich muss das niemanden sonst interessieren, aber darauf kann ich doch jetzt nicht gleichzeitig auch noch Rücksicht nehmen. Wie sollte ich auch sonst beginnen können. Neben dem Schreiben werde ich auch mit Bildern herumspielen. Das scheint mir zusammenzugehören bei diesem Experiment.

 

 

Und ebendies ist es ja, ein Experiment. Und Experimente haben immer einen offenen Ausgang. Und ich will jetzt gar nichts von Gelingen oder Scheitern sagen, denn diese zwei Kategorien scheinen mir die Sache in einer Art und Weise vorzuspuren, die mich nun gerade nicht interessiert. Denn natürlich braucht man Kategorien, um zu sprechen, man kann nicht eine Form malen, wenn am Ende alles monochrom sein soll. Aber für die Kategorien Gelingen und Scheitern bräuchte es notgedrungen eine genauere Vorstellung des anvisierten Resultats und also eine konkrete Vorstellung, was denn Scheitern also heissen müsste bzw. Gelingen. Mir fehlt aber diese genauere Vorstellung. Und es interessiert mich nicht. Ich will nur endlich beginnen. Und zwar mit hemmungslos hingebungsvollem Forschen. Ich finde das recht anspruchsvoll. So gesehen, sehe ich schon die mögliche Gestalt eines Scheiterns vor mir herflimmern. Aber gut. Macht nichts.

 

Eine Erzählung über das Unterwegssein in der Stadt. Zürich, um genau zu sein. Aber man könnte auch nicht so genau sein, das würde auch reichen, in mancher Hinsicht. Stadtansichten eben.

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