das zähe Fleisch des Oktopus

Es nieselt, ist grau. Und kalt. Wenn Küchen- und Badzimmertüre offen stehen von meiner neuen zwischenzeitlichen Bleibe, dann seh ich von der Toilette aus direkt in die Büros von Google, auf zwei grossen Bildschirmen breitet sich ein satter Gebirgskoloss aus heute Morgen, sieht aus wie ein Bild von Hodler. Welche Höhen sie wohl zu erklimmen gedenken?

 

Ich bewege mich also. In der Stadt. Durch Gehen und Velofahren versuche ich verschiedene zuvor mitunter schon bekannte, aber vereinzelt und lose umherschwirrende Orte miteinander zu verbinden. Immer wieder verliere ich die Orientierung, stoppe kurz, um mir von Googlemaps und der Standortbestimmung sagen zu lassen, wo ich bin. Immer wieder von neuem findet sich so ein blauer Punkt. Und dort bin ich. Immerhin. Noch immer vorhanden. Nun gut. Das Spiel scheint also noch nicht verloren. Kein nirgends.

 

Das alte buenosairische Gefühl des Nichtdahingehörens, Hiernichtszusuchenhabens schleicht sich wieder leise und hinterhältig über den Nacken in den Kopf hinein. Fährt mir auf dem Velo hinterher, überholt mich, grinst mich blöde an. Als ob alle dürften nur ich nicht. Als ob alle einen Grund hätten, hier zu sein, irgendeinen. Ich aber nur ein Spiel spielte, das jeden Moment auffliegen könnte. Nun gut. Ich werde das Spiel weiterspielen. Was soll's. Es ist ja eben ein altes Spiel und das Gefühl ganz und gar nicht vor allem buenosairisch, es ist ein urzürcherisches für mich, wenn ich es denn unbedingt mit geografischen Orten identifizieren will, denn eigentlich ist es einfach dies, ein urtümliches.

 

Am Morgen die Verlorenheit. Sie liegt wie das tiefe Meer über dem weichen zähen Fleisch des Oktopus.

 

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