Nachtlicht

Die Lichter überwiegen stets die Dunkelheit. In der Nacht. Irgendwo brennt immer eins. Ich frage mich, ob die Googler wohl tatsächlich nie schlafen oder ob das Licht in ihren Büros einfach nur der Markierung von Präsenz dient.

 

Ich dachte immer, es sei ja wohl allen klar, dass auch auf dem Land jeder Mensch ein anderer. Und dies also keine Besonderheit der Stadt. Weil die Stadt tendiert zur Überheblichkeit gegenüber dem Land, zur scharfen Abgrenzung. Im Übrigen natürlich auch das Land, wobei mir diese Dichotomie der Kategorien schon immer sehr verwunderlich und schon gar nicht geheuer war. Nie haben sie mir wirklich eingeleuchtet. Aber gut, ganz so klar ist es nicht. Denn dass der andere eine andere sei, nun, selbstverständlich. Natürlich sind sie das überall: anders und gleichzeitig gleich. Aber es ist ja quasi die Pixelzahl - wenn man die Differenz zwischen zwei Punkten selbst als Punkt nimmt -, die den Unterschied ausmacht, die Dichte dieser Pixel pro Raumeinheit. Die bestimmen, wie deutlich das Bild der gleichzeitigen Präsenz des immer noch eines anderen sich zeigt. Diese Unausweichlichkeit gegenüber dem andern, die zum Alltag geworden alles Mögliche erschafft. Kultur von mir aus, im besten Fall. Rückzug ohnehin. Was weiss ich.

 

 

In der Wohnung oberhalb herrscht reges Treiben. Gestern feierten sie Geburtstag, spanische Satzbrocken diffundierten durch die Decke beziehungsweise den Boden zwischen uns und ich war Teil. Nicht als anwesender Mensch unter ihnen, nicht eine von ihnen am Tisch mit dem Geburtstagskuchen, den Tellern und Gläsern, ohne glänzende Augen und klatschende Hände. Aber ich war auch da. Und ihr Fest teilte sich mir mit, das Stühlerücken, das Hin und Her der Schritte, das Reden und Lachen, das Cumpleaños feliz. Und ich war aufgehoben inmitten des Geschehens. Auch von der Strasse her Rufen, Schwatzen, Motorenrauschen. Teil sein, ohne weiteres Dazutun. Die Welt fand offenbar statt. Noch schien also nicht alles verloren.

 

Mein Stadtherz singt und trällert ein Lied, zu dem ich, ohne es wirklich zu verstehen, tanzen möchte. Tag und Nacht.

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