ein Fest

Nachtsicht. Ich sehe die Stadt vor allem bei Nacht. Morgens ist es dunkel und abends auch, wenn ich auf die Strasse hinausgehe. Doch ist ja wie gesagt auch das Dunkel eigentlich hell. Nur sieht man trotzdem nicht so gut.

Wenn man auf dem Velo sitzt, wird man eher verschont vor der allzu grossen Nähe der andern. Sie halten Abstand. Man sitzt ja schliesslich hoch zu Ross. Ist schnell wie der Wind, wie eine Schwalbe fliegt man hin und her, wendig und flink. Wie ein furchtloser Pirat auf den weiten Weltmeeren kreuzt man unverfroren und rücksichtslos durchs tiefe Wasser. Frei, vogelfrei ist man, solange man auf dem Velo sitzt. Man diffundiert nicht gleich in das nächstbeste Gesicht. Löst sich nicht unmittelbar auf in der Gegenwart Mensch. Wird nicht sogleich und unvermeidlich überwältigt. Von der fraglosen Lebendigkeit des andern. Von dieser uneinholbaren Gegenwärtigkeit des immer andern. Da ist ein Mensch. Alles ist gesagt. Alles ist mit gemeint. Das Selbst verschwindet. Immer. Man kann es nicht verhindern. Es passiert einfach. Es löst sich auf und ist weg. Man sieht an sich hinunter und stellt fest: Da ist jemand. Aber man weiss nicht wer. Es könnte irgendwer. Nur, ein Mensch? Spielt wohl keine Rolle. Das Gegenüber im Tram, auf der Strasse, in der Beiz bleibt und ist und pflanzt sich fort im eigenen Kopf. Breitet sich aus. Feiert das Fest der Lebendigkeit. Der Menschen. Man schaut zu und applaudiert. Man applaudiert laut und lang. Am längsten von allen. Man feiert sie alle.

 

Es gibt keine Brücke. Nichts, das hinüberführte.

 

Macht nichts. Man kann ja schliesslich Velo fahren.

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