Knochen

Je dichter ein Mensch beim andern, je vereinzelter wird man. Wenn man sich tagein, tagaus quert und kreuzt und der andern Nähe in Vielzahl sich ständig um einen schart, ohne dass man aber wirklich miteinander zu tun hätte, wenn vor den eigenen Augen hin und her defiliert wird, wenn des einen oder andern Schall fortwährend durch die Ohren zieht, dann versteht man, dass man allein ist. Man merkt es so richtig bis tief in die Knochen, bis tief hinein in die Weichteile.

 

Wenn man aber irgendwo in der Natur hocken würde, zwischen Amseln und Drosseln oder zwischen Bären und Fischen, dann wäre man anders allein. Weniger giftig, so scheint es. Das Alleinsein würde sich dann einfach dem Gesträuch, den Blättern im Wind, den Sternen womöglich, wenn auch weit gegriffen, eher noch den Würmern, Schnecken, Käfern, den Fliegen und Mücken mitteilen, den hoch über dem Kopf den Himmel querenden Schwalben.

 

 

Nicht dass man irgendwo davor gefeit wäre, allein zu sein. So ist es nicht. Aber diese Kumulation von designtem Anspruch. Diese allseitige Sublimierung von Dasein, die das Überleben längst hinter sich gelassen hat. Und sich nur noch ums Leben kümmert. Ums Leben? Oder eher ums Überleben im Leben? Um das Gewinnen von Präsenz, von Darstellungsmacht, vom plausiblen: Ich bin. 

 

Man müsste sich auch entscheiden können, wohin man mit dem Schreiben eigentlich gelangen möchte. Genau, auch das weiss ich nicht. Vielleicht weil die Frage falsch gestellt ist. Nun, weiterschreiben, auch im Nichtschreiben, ich wüsste nicht, was sonst.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0