Tag elf

Und die ganze Zeit diese Diskrepanz. In alle Richtungen. Die eine Präsenz und die andere. Unmöglich zu vereinen. Zum Beispiel die Präsenz, also die Gegenwärtigkeit, dieses Gefühl des Jetztgeschiehtkrasses oder Wirdjetztwasallesanders (nicht dass man nicht Freude am Spektakel hätte, aber dieser nonchalante Ton ist nun also wirklich fehl am Platz), dieses von so einem unbestimmten, doch ultimativen Pathos aufgeladene Wissen um unmittelbar (quasi vor der Nase, aber wohin schaut sie, meine Nase?) geschehende Geschichte (die man doch überhaupt und bei weitem nicht fassen kann, aber die Ahnung genügt für die Erschütterung vollkommen), also diese vermittelte, also mediale Präsenz der gerade global (weltumspannend, wohin man auch blickt, Südafrika, Island, Buenos Aires, von den Lofoten weiss ich es jetzt nicht, China, Paris, Neapel, New York und so weiter) sich abspielenden coronalen Krise (zum Glück, das Wort Krise zumindest musste man nicht neu erfinden). Gut, also die Diskrepanz zwischen dieser medialen Krisen-Präsenz und gleichzeitig die analoge Präsenz des eigenen Selbst, akkurat versorgt am Pult in den vier Wänden des eigenen Zimmers, bemüht auch dem Teil Office im Wort Homeoffice gerecht zu werden.

Nicht dass diese Diskrepanz grundsätzlich etwas Neues gewesen wäre. Schon immer war sie sehr präsent. Die üblichen lokalen und weltweiten Krisen genügten für gewöhnlich vollkommen, sie virulent zu machen, also ständig lebendig handlungs- und deutungshintertreibend ihren Kopf verrückten.

 

Und ob man nicht das Social Distancing eventuell auch ein bisschen digital betreiben könnte?, fragt sie sich. Aber soll sie doch selbst schauen.

 

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