Anfang

Mitten unter Menschen, die doch nur ein kleinster Teil aller auf dem Planten anwesenden und doch dermassen monströs in ihrer unbedingten Präsenz, bewegt sie sich fort auf dem Gehsteig, ziellos. Sie schaut in die Gesichter, versucht es zumindest verstohlen und mit kurzen, sich schnell wieder abwendenden Blicken. Versucht sie zu sehen, all diese vorbeieilenden Gestalten, die jede für sich ein ganzes Leben mit sich tragen. Nur sie verschwindet, kann offenbar diesen Gegenwärtigkeiten nichts entgegenhalten. Kann sie nicht? Weshalb? Sie weiss es nicht. Jedenfalls weiss sie keine wohlgeformten Sätze dafür. Keine mittigen. 

 

Und wie wäre denn das Abseitige zu fassen? Welche Gestalt könnte man ihm verleihen? Wie es begreifen? Welche Arbeit könnte getan werden, damit eine Erzählung entstünde? 

 

Weshalb beginnt sie nicht einfach? 

 

Das "einfach" darf gestrichen werden. Hat hier nichts zu suchen.

 

Aber die Frage bleibt.

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Kommentare: 1
  • #1

    A.C.K. (Montag, 23 Mai 2022 10:37)

    »Ich möchte ein Dichter sein. Ich möchte diese Kreatur Mensch beschreiben. Ich möchte einen Tag beschreiben. 86 400 weiße Blätter beschreiben, jede Sekunde ein Blatt. Es wäre dann wenig gesagt. Es wäre etwas gesagt. Wir brauchten uns dann nicht mehr voreinander verkriechen. Unsere Angst vielleicht würde wachsen. Unsere Angst vor den Sekunden. Und die größere vor dem Tode.«
    Hans Henny Jahnn, »Perrudja«