Hoch oben. Quert den Himmel die Schwalbe. Ein leiser weiter Flug. Nichts. Vermag das Schreien zu stillen. Irrlichtig flackert die dünne Ahnung.

 

 

 

 

Fallen, fallen durch den Wind, durch die Tiefe des Himmels. Widerständiges Reiben der Luft, beschwichtigend kühl wie flüsternde Brise. Nimmt sie das Elend, nimmt die Verzweiflung, stetig atmend durch klirrende Haut. Löst sie auf. Im grenzenlosen tiefen Blau. So möchte man fallen. Nie aufhören. Die Bewegung des fallenden Fliegens feiernd. Als ob es das Leben sei. Das man endlich gefunden. Am Rande des Abgrunds. Und aus jeder Pore der schreienden Ohnmacht wächst unausweichlich die schillernde Blume der Weite. Als ob nicht die ätzende Schwere des Nichts schon längst wieder alles sich einverleibt. Wächst die flüchtige Blume der Weite und bahnt sich flirrend den Weg.

 

 

 

Kontingenz.

 

Etwas ist da. Und. Bedeutung ist nachgelagert.

 

So. Funktioniert das meiste.

 

 

 

 

 

Wie die Silben zusammenfischen, die da flottieren. Im klirrend flirrenden Tag. Die auseinanderstieben zwischen den strammen Schritten der Aufrechtgehenden.

 

 

 

Wo der Schwalbenflug, den weiten Himmel quert. Tief unten, was einmal war. Und nicht mehr ist. Sich doch immerzu. Zeigt. Pocht und schreit und verleibt sich ein. Alles. Und doch. Der Vogel fliegt, er putzt sein Gefieder. Damit etwas getan sei. Und jederzeit möglich. Was sonst nicht denkbar.

 

 

 

Draussen der Wind. Bewegt das Geäst. Drinnen misst das Auge. Die Distanz. Vom Hier zum Dort.

 

 

 

 

 

Klirrend und nackt

zerteilt

das stumme Geschrei

die wehenden Lüfte

 

verschwindet

im Orbit

 

unten

still und starr

 

und

eierschalendünn

was sich Boden nennt

 

 

 

 

Wenn Hoffnung nicht in die Weite führt, wenn sie nicht hinter dem sichtbaren Horizont geboren und doch als Ahnung sichtbar genug sich am Wegrand abzeichnet, wenn sie nicht frei von allem Dogma, von aller menschlichen Kontrolle weit, weit über den letzten Resten domestizierend disziplinierender Eingriffe und Massnahmen, wenn sie nicht wild und ungebändigt und doch unendlich feinmütig sich dem wehenden, elenden Herzen zuneigt, wenn sie nicht über alle Beschränkung hinausweist und gleichzeitig doch inmitten der atemlos zerquälten Enge stattfindet, wenn sie nicht von überbordendem, übermütigem Lachen geschüttelt wird und gleichzeitig staunend still, von Beginn an wissend ihr Ohr dem stummen verzweifelten Stöhnen zuneigt, wenn sie nicht frei, undenkbar frei von Schwere und Leere über allen Wolken und zwischen den Sternen ihr herrliches Lied von hochfliegenden Armen und tanzenden Beinen singt und doch gleichzeitig den warmen nahen Atem über die brennende Haut streichen lässt - wenn sie dies nicht tut, was ist sie dann?

 

 

 

 

Es sei ein Leib. Von Kopf bis Fuss.

 

Es sei ein Horizont. Von West nach Ost.

 

Und nirgends.

 

Ein Halten.

 

 

 

 

 

 

Und sie sprang und eilte über Hügel und Weiten und lief und schlief nicht. Sie flog über Wälder und pflückte die Tropfen des späten Regens und die Haut war kühl und der Wind brachte Kunde vom hohen Norden. Und sie liess sich tragen vom Flüstern der Lüfte weit über den Wolken und die Schwalbe zeichnete ihren Flug in das leise Flimmern des Morgens. Sie flog übers Land tief unten und die Furchen und Strassen und Felder und Häuser erzählten von einem Leben, das einmal auch das ihre gewesen. Und sie liess sich tragen vom Rauschen der Lüfte und das Licht der Ferne spielte mit den Rändern des Horizonts bis ans Ende der Tage.

Und es kam die Nacht und das Licht nahm mit sich den weiten Raum.

Im dichten Schwarz brütete dumpf die Gischt der Enge.

Nichts blieb.

Und Schwere und Leere durchzog die Zellen, jede einzelne Faser des frühen Morgens. Wohin? Der Ruf des Nordens. Als ob er langsam zu ersticken drohte. An der täglichen Peitsche der Wohlanständigkeit, der Tüchtigkeit. Am Lächeln der Gutmenschen. An der Schuld. Deren stetiger Tropf das Innere tränkte, als ob es danach lechzte. Wohin?

 

Weshalb und welche Zeit noch überstehen, damit dann gelebt werden könne? Oder gestorben.

 

Das Zerren der Nacht diffundiert in das löchrige Treiben des Morgens. Wohin?

 

Wie war durch diese Welt zu kommen. Durch dieses Leben, das nach allen Seiten ausschlagend Hohn und Geschäftigkeit immerfort austeilend sich gebärdet. Als ob damit alles gesagt sei. Als ob mit den zielstrebigen Schritten und den mittigen Lächeln das Leben getan sei. Während die wohlfeile Zugewandtheit, die scheinheilige, die klebrige, die hinterhältige, das Gegenüber im Netz des Gutmeinens einspinnt, damit es ersticke. An seinem Zweifel.

 

Doch sie wollte nicht ersticken.

 

Sie wollte dem Ruf des Nordens folgen.

 

Dem Flüstern der Weite gehorchen. Und nicht jenem der mittigen Lächeln.

 

 

 

 

 

 

In die Tiefe des Spalts das Fallen, immerfort. Stupende Heiterkeit an den Hängen des Südens.

 

Hochpräzis der Riss.

 

Ob das dröhnende Lachen eines Tages aus den Fugen hebt, was so friedenssatt sich gebärdet?