schwarz

glüht

 

das Zerren des Abgrunds

 

 

 

 

Vogelfrei

Vogelfrei vor den Mauern der Stadt. Es kreisen die Krähen, es äugen die Geier. Vogelfrei auch sie. Oder die leicht und licht flink fliegende Schwalbe. Ob sie schon wieder unterwegs?

 

Elegie

Sie starb an einem frühen Montagmorgen. Den Strick um ihren Hals hatte sie selbst geknüpft. Sie war allein. Niemand hinderte sie daran, zu tun, was sie tun wollte. Gut, über den Begriff wollen kann man streiten. Wollte sie wirklich tun, was sie tat? Hätte sie nicht lieber anderes gewollt? Wenn sie das Wollen hätte wählen können? Wenn sie gefragt worden wäre? Fragte denn niemand? Oder weshalb dann dieses Ende? Aber genug gefragt. Sie starb. Weil sie das Leben nicht mehr ertrug. Der Abgrund zerrte an ihr. Und irgendwann konnte sie nicht mehr widerstehen. Da war kein Boden mehr für sie, um sich breitbeinig gegen die Schwärze zu stemmen. Da war kein Halten mehr. Nichts.

Sie hatte gerne gelebt. Zwischendurch. Es gab eine Zeit, da war sie voller Lachen, manchmal. Doch die Schwärze kroch in sie. Nein, was sage ich, die Schwärze war schon immer in ihr. Nein, auch das ist falsch. Die Schwärze wurde ihr einverleibt. Damit sie still sei. Damit sie sich nicht erinnere. Damit die Verachtung sie von den Rändern her und von innen zerfresse. Und sie nicht wisse, wie diese ganze Verzweiflung zu stoppen wäre. Die Hände ihres Vaters und sein Lächeln brachten es ihr bei. Das Weitere bleibe unerwähnt. Und sie sagte immer: Danke. Sie wusste, dass dies dazugehörte. Damit man einen Platz habe. Die Familie lebte heiter wohlbehütet inmitten stupender Wohlanständigkeit. Nichts war, wie es schien. Für niemanden. Sie wuchs heran. Und sagte: Danke. Doch irgendwann hörte sie damit auf. Und ging. Sie gab sich hin, dem Leben. Sie war keine, die das Mittelmass suchte. Sie wollte immer alles. Oder nichts. Wobei sie jeweils das eine oder das andere zu haben glaubte. Was ihr je nachdem Leichtigkeit und Glück bescherte oder aber Schwere und Verzweiflung. Doch sie war unglaublich stark. Und stur.

 

Doch wie gesagt, irgendwann war es genug. Ich habe sie geliebt. Und sie ist gegangen. An einem frühen Montagmorgen. Allein.

 

Danksagung

Es war einmal ein weiter Weg zu gehen. Man wurde nicht gefragt. Aber losgeschickt. Hinausgeworfen, damit man laufe. Man war sofort und bei allen möglichen Gelegenheiten überaus dankbar. Für alles.

Man zeigte sich immer und unentwegt tiefgreifend dankbar. Ohne Rücksicht wofür. Fürs Zähneputzen und Hinterabwischen. Danke. Fürs Herumtragen und Hinsetzen. Danke. Fürs Anlächeln und Hintertreiben. Danke. Fürs Insbettgebrachtwerden und Amtischplatznehmendürfen. Danke. Fürs Ricolazältliauspacken. Danke. Fürs Handanlegen, wo keine Hände hingehört hätten. Danke. Oh herrliches Leben. Oh wunderbare Freude. So viel Gutes auf Schritt und Tritt. So viel herrliche Verwirrung. Danke. Wohin mit dem Blick? Immer geradeaus. Nur nicht abkommen. Vom rechten Weg. Danke. So viel klirrende Wärme. Auch das Innerste erstarrt. Danke. Man verschluckt sich am hellen Lachen. So viel Sonnenschein. Geblendet sucht man Konturen durch zusammengekniffene Lider. Danke. So viel Dankbarkeit. Immer auf der Hut sein. Damit man nicht verrecke. Stummheit. So viel Freude. Kaum zu ertragen. So viel eitle Freude. Kein Wort der Zwietracht. Nur heller Sonnenschein. Immer. Danke. Man stolpert über die Lächeln auf Schritt und Tritt. Immer wird irgendwo gelächelt. Danke.