Tod.

 

Er ist der Rand, über den man nicht hinaussieht. Aber sich ständig daran reibt. Der einen in die Schranken des Lebens verweist. Anzieht, schreckt. Immerzu. Bis es zu Ende ist.

 

 

 

Im Leben ist er nicht. Und überall, wo Leben ist, ist er.

 

Eine Infragestellung. Eingewoben.

 

 

 

 

 

 

Wo ist der Flug der Schwalben?

 

Wenn der Zweifel wacht und klirrt?

 

 

 

 

 

 

Das Nichts ist dicht und schwer.

Es lagert in ihr.

Sie kann es nicht denken.

Aber es denkt sie.

Verleibt sie sich ein.

 

 

 

 

 

 

Der Tod ist dort, wo man nicht hinsieht. Nicht hinsehen kann. Weil dort, wo man hinsieht, nur die Abwesenheit dessen ist, was man zu sehen hinsieht.

 

 

 

 

Es gibt das Leben. Und es ist ein Kommen und Gehen. Und dazwischen nur dies: das Leben. Und was tun wir?

 

 

Dort, wo zuvor noch jemand war. Aber nun nicht mehr.

Dort, wo zuvor noch jemand die Hand zum Gruss hob, sachte. Aber nun nicht mehr.

Dort, wo zuvor noch jemand die Augen öffnete, weil eine vertraute, geliebte Stimme zu hören war. Aber nun nicht mehr.

Dort, wo zuvor noch jemand die Lippen bewegte und schliesslich ein leises Lächeln formte. Aber nun nicht mehr. 

Dort, wo zuvor noch jemand war,

 

ist nun ein tiefes weites Fehlen

ein wortloser Ort

ein Beben

 

flutet stumm wehendes Klagen

füllt Tage und Nächte

 

 

 

 

Sie ist gegangen. Sie ist tot. Zurück bleiben die andern, die noch leben.

 

Hingestorben wirst du liegen

 

Hingestorben wirst du liegen, und nie wird Erinnerung an dich

sein, nach dir kein Sehnen später: Nicht hast du teil an den Rosen

aus Pierien, nein, unbemerkt auch in des Hades Haus wandelst du unter dämmerumflorten Toten, fortgeflattert.

(Sappho, aus: Über den Tod. Poetische und philosophische Texte)